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BLK-Programm - Demokratie lernen & leben: Zivilcourage – Was ist das?

Materialien

Zivilcourage

Zivilcourage – Was ist das?

"Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat,
desto weniger Helden wird es einmal brauchen."

F. Magnani, ehemalige Korrespondentin der ARD

"Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit."
Kofi Annan bei der Gedenkfeier der UN anlässlich des
60. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz

Die Zitate veranschaulichen, wie wichtig Zivilcourage für eine Gesellschaft ist. Doch was bedeutet der Begriff Zivilcourage? Er wird häufig assoziiert mit Unerschrockenheit und Heldenmut. Das Aufbegehren gegen die Verletzung bürgerlicher Grundrechte in Diktaturen oder das Aufdecken krimineller Machenschaften, wie beispielsweise der Kampf des Bürgermeisters von Palermo Leoluca Orlando gegen die Mafia, sind Beispiele für die Zivilcourage Einzelner. Der herausragende Mut Einzelner darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass zivilcouragiertes Verhalten auch "im Kleinen" in den verschiedensten Lebensbereichen (Familie, Schule, öffentlicher Raum, Arbeitsplatz) möglich und notwendig ist, wenn ein Mensch gedemütigt, bedroht oder angegriffen wird.

Eine allgemeine Definition von Zivilcourage gibt der Duden, indem er Zivilcourage als "mutiges Verhalten, mit dem jemand seinen Unmut über etwas ohne Rücksicht auf mögliche eigene Nachteile gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten o. ä. zum Ausdruck bringt" beschreibt (Duden 1990). Man schreibt es Otto von Bismarck zu, den Begriff "Zivilcourage" geprägt zu haben. Er stellte dem militärischen Mut den "zivilen Mut" gegenüber und bezog sich dabei auf eine Begebenheit, bei der er aufgrund einer kritischen Äußerung im preussischen Landtag ausgepfiffen worden war. Als ihn ein Vertrauter verwundert darauf ansprach, soll Bismarck darauf geantwortet haben: "Mut auf dem Schlachtfeld ist bei uns Gemeingut. Aber man wird es nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt" (zitiert nach Singer 2003, S. 33). Die Soziologin Nunner-Winkler (2002) nennt zwei wesentliche Kriterien für Zivilcourage: Die Handlung muss sich an demokratisch-zivilgesellschaftlichen Grundwerten orientieren und sie muss persönlichen Mut erfordern, also mit gewissen Risiken und Gefahren für die handelnde Person verbunden sein. Was einer zivilcouragierten Person im Einzelnen drohen mag, kann sehr unterschiedliche Formen annehmen: von der unangenehmen Situation, den Blicken aller Umstehenden ausgesetzt zu sein, selbst verbal oder tätlich angegriffen zu werden bis hin zu so gravierenden Konsequenzen wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder gar Lebensgefahr.

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